Vorwort

Wie gelangt der Mensch zu Fragen ? Wie findet er passende Antworten ?

Um diese Fragen geht es in der vorliegenden Abhandlung, einer überarbeiteten Fassung eines Aufsatzes, den ich vor über 30 Jahren für Oberstufenschüler geschrieben habe. Ich wollte hiermit nicht einen sicheren Weg zur Problemlösung zeigen. Es ging mir vor allem darum, völlig falsche Erwartungen von Schülern über geistige Arbeit durch realistische Vorstellungen zu ersetzen, denn ich hatte den Eindruck gewonnen, dass unter falschen Erwartungen ein Fehlverhalten entwickelt wird, welches einen Unterricht erschwert, in dem auf selbständiges Denken gesetzt wird. Ich denke hierbei an den Physik- und Mathematikunterricht. Unpassende Erwartungen werden von den Medien, aber auch von Eltern genährt, sie können den Blick derart einengen, dass passendes Vorgehen nicht mehr in den Sinn kommt. Da heißt es z.B., der Unterricht müsse Spaß machen. Ein Schüler, der diese Aussage ernst nimmt, erwartet auch Mühelosigkeit, denn Spaß und Mühe sind normalerweise unvereinbar. Bei Aufgabenstellungen hofft er auf weiterführende Einfälle, die sich bei ihm ohne eigenes Zutun einstellen. Sieht er dann, dass die Wirklichkeit nicht seinen Erwartungen entspricht, entwickelt er eine Hemmung gegen das Mitmachen im Unterricht, was zu bedingten hemmenden Reflexen gegen die Teilnahme am Unterricht führen kann. Seine Phantasie wird gelähmt.

Kein Erfolgserlebnis ohne Mühe; leider gilt diese allgemeingültige Aussage nur im Sport als selbstverständlich.

Der Gewinn neuer Einsichten beruht auf natürlichen Verhaltensweisen, zu denen der Mensch dank seiner Veranlagung unter bestimmten Bedingungen mehr oder weniger stark mit unterschiedlichen Erfolgswahrscheinlichkeiten neigt. Zu diesen Einsichten gehören auch die Kenntnisse von Methoden, die das Entdecken begünstigen. Man denke z.B. an die üblichen Auswertemethoden für Tabellen mit Messwerten oder an den aus dem Mathematikunterricht bekannten Schluss von n auf n+1.

Solche Verfahren und jene natürlichen Verhaltensweisen, mit denen Menschen scheinbar zufällig zu Erkenntnissen gelangen, werden hier beschrieben. Mit dieser Beschreibung informiere ich nicht über einen leichten und spaßigen Erkenntnisgewinn, ich hoffe aber, dass hiermit für manchen Schüler das Arbeiten in Physik und Mathematik etwas ungehemmter und spannender wird und zwar nicht nur durch die Erläuterung bestimmter Arbeitsmethoden, sondern auch dadurch, dass ich durch eine realistische Darstellung vor unnötigen Irrwegen bewahre. Ein Schüler sollte erfahren, wie schön es ist, wenn es endlich gelingt, eine harte Nuss zu knacken.